I Ging
Das I Ging (易經, in Pinyin Yì Jīng, "Buch der Wandlungen") ist ein divinatorischer und philosophischer Text aus dem alten China. Seine ältesten Schichten datieren aus der westlichen Zhou-Dynastie (ca. 1000 v. Chr.), womit es das am längsten ununterbrochen verwendete Orakel der bekannten Welt ist.
Struktur und Geschichte
Das I Ging beschreibt 64 Hexagramme — Figuren aus sechs Linien, wobei jede Linie durchgehend (yang, ⚊) oder gebrochen (yin, ⚋) sein kann. Jedes Hexagramm hat einen Namen (z. B. "Das Schöpferische", "Das Empfangende"), ein Urteil, ein Bild und sechs Linientexte.
Der Kern des Textes — der Zhouyi — wird König Wen und dem Herzog von Zhou (11. Jh. v. Chr.) zugeschrieben. Die "Zehn Flügel" — spätere philosophische Kommentare — datieren aus dem 5. bis 3. Jh. v. Chr.
Die Konsultation
Ursprünglich wurde ein Hexagramm durch Manipulation von 50 Schafgarbenstängeln erzeugt. Ab dem 10. Jahrhundert wurde die Methode mit drei Münzen populär.
Übersetzung von Richard Wilhelm
Die einflussreichste Übersetzung für den Westen stammt von Richard Wilhelm, deutschem Missionar und Sinologen, veröffentlicht 1923. Die englische Version (1950) hat ein Vorwort von Carl Jung, der das I Ging als perfektes Beispiel der Synchronizität beschrieb.